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Gestern

Nikon - Vergangenheit

Morgen

Fuji - Zukunft X-T2

MEIN UMSTIEG AUF SPIEGELLOS

Ein Satz mit X – Fuji

 17 war ich, als ich begann, mit Nikon Spiegelreflex Kameras zu arbeiten. Mit einer Nikon habe ich meine erste Hochzeit fotografiert (ich muss 19 oder 20 gewesen sein).Und auch jetzt fotografiere ich noch immer Hochzeiten mit Nikon Kameras. Nikon SLRs haben mich sozusagen mein ganzes Leben lang begleitet.

Die Kameras und die Objektive sind äußerst funktionell, robust/zuverlässig und haben mich in all den Jahren nie im Stich gelassen. Ganz im Gegensatz zu den Objektiven eines Fremdherstellers, der zwar sehr gute Optiken baut, wenn es um die Bildergebnisse geht, leider aber einen besch… Support hat, wenn mal etwas repariert werden muss. Zwei mal habe ich 8 respektive 9 Wochen auf die Werkstatt gewartet, drei Linsen waren Totalausfall. Noch keines der Nikon-Objektive hat bislang ansatzweise ein Problem verursacht, zwei mal waren Gehäuse in der Werkstatt, was niemals länger als drei Tage gedauert hat, bis sie zurück bei mir waren.

Klingt wie eine Traumbeziehung, ist es auch.

Was bedeutet dann dieser Titel „Umstieg auf Spiegellos“? Oben, das war der Blick zurück. Unten folgt der Blick in die Zukunft.

Fotografieren bedeutet für mich auch, innovativ sein. Never change a running system – of course but… Wenn ein Team allmählich veraltet, die anderen Trainer und Mannschaften sich neue Strategien ausdenken, dann wird es Zeit für Veränderungen. Klar, der Vergleich hinkt, aber es ist für mich ein nettes Bild.

Also noch mal: Warum der Titel?
Fotografieren soll für mich kein Selbstzweck sein. Ich mache keine Bilder, weil ich so gern fotografiere. Ich fotografiere, weil ich Bilder mag. Da ich hohe Ansprüche an die Ergebnisse habe (auch an meine privaten Fotos), war ich in der Vergangenheit gezwungen, die großen und schweren Nikongeräte mit zu schleppen.

In den letzten Jahren tauchten hier und da kleine handliche Kameras auf; mal brachte ein Kollege eine mit zum Fotografentreffen, mal sah ich sie in der Werbung, mal im privaten Umfeld. Vor vier Jahren auf der Photokina waren die kompakten Systemkameras, die auch gern als ‚die Spiegellosen‘ tituliert werden, ein ganz großes Thema – für die anderen. Damals schaute ich mir die Bildergebnisse an und damit war das Thema für mich erledigt. Ab einem bestimmten Format waren die Bildergebnisse für mich nicht gut genug. Es gab viele Minuspunkte, unter anderem weisen bis heute fast alle Systemkameras einen für uns professionellen Hochzeitsfotografen ganz großen Nachteil auf: es fehlt der zweite Kartenslot (gewissermaßen das Backup). Das ist ein K.O.-Kriterium.
Das Thema ’spiegellos‘ war also für mich abgehakt.

Im letzten Jahr spukte dann plötzlich wieder der Gedanke über den Umstieg auf Systemkameras in meinem Kopf herum. Was der Auslöser dafür war, weiß ich nicht mehr, vermutlich waren es mehrere. Ich beobachtete ein wenig intensiver, schaute mir die Kameras eines meiner WPfL-Kollegen genauer an. Aber überzeugt war ich noch lange nicht.

Dieses Jahr aber ist der Zeitpunkt für ein Umdenken erreicht. Noch vor wenigen Wochen investierte ich in ein hochwertiges neues Objektiv und einen weiteren Blitz, passend zu meinen Nikons. Ich war also noch nicht so weit. Aber das Thema breitete sich bereits mehr und mehr in meinem Kopf aus. Im Sommer brachte Fuji dann endlich eine Systemkamera auf den Markt, die all das bietet, was ich von einer Kamera erwarte – und ein bisschen mehr.
Gestern war ich auf der Photokina und hatte die Gelegenheit, die Fuji X-T2 den gesamten Tag über zu testen. Dieses Gerät hat es mir sofort angetan, da die Bedienung äußerst intuitiv ist. Im Gegensatz zu den aktuell gängigen Bedienungskonzepten, die Funktionen hinter diversen verschachtelten Menüs und Kombinationen von Tastendrücken verstecken, gibt es an der Fuji – ganz simpel gesprochen – Knöpfe. Wichtige Knöpfe, mit deren Hilfe ich ganz gezielt das regele, was erforderlich ist. Das ist insbesondere unter hohem Arbeitstempo, wie es die Hochzeitsfotografie erfordert, enorm hilfreich. Manch einer spricht hier von Retro, weil dieses Bedienkonzept früher in Ermangelung von geeigneten Micro-Prozessoren, das einzig denkbare war. Ich spreche von intelligentem und praxisorientiertem Anwendungsdesign 🙂

Die Zeit ist also gekommen, von meinen liebgewonnenen Nikons Abschied zu nehmen. Denn weder Nikon, noch Canon, haben etwas auch nur ansatzweise Vergleichbares auf dem Markt. Die beiden Platzhirsche haben die Entwicklung des Marktes vollkommen verpennt. Sie scheinen noch immer zu glauben, dass Profis große, schwere und mit Spiegeln ausgestattete Kameras brauchen. Mit Sicherheit trifft das auf einige Pros und Anwendungsfälle zu, ein großer Teil der Fotografen ist aber bereits umgestiegen oder befindet sich gerade auf dem Absprung. Das Argument des größeren Sensors lässt sich nicht ignorieren (u.a. lässt sich damit ein schönes weiches Bokeh erzielen), aber auch das ist ein bisschen Zeitgeist, ein bisschen Sehgewohnheit und ein bisschen sehr die Denkweise von uns Fotografen. Darüber, ob die Kunden das sehen, sind sich viele Hochzeitsfotografen gar nicht so sicher.

Abgesehen von meiner Begeisterung für die Fuji, habe ich das Thema auch aus wirtschaftlicher Sichtweise für mich erörtert. Meine Kameras kommen allmählich in die Jahre. Die erste D3s ist bald 6 Jahre alt, die zweite nicht viel jünger, die D700 noch mal eine ganze Ecke älter. Wenn ich demnächst Equipment aktualisieren muss, bleibt nur ein Upgrade für Neuware auf das aktuelle Nachfolgemodell, die D5. Die kostet knapp 7.000€. Alternativ könnte ich eine D3s gebraucht ersetzen (ja, die haben tatsächlich so etwas, wie eine Haltbarkeit, die in Auslösungen gezählt wird). Aber das wird von Monat zu Monat unsicherer, weil Profiequipment ja wirklich abgenutzt wird.
Wenn man allein die Anschaffungswerte für professionelle Spiegelreflexkameras und deren Objektive mit denen der spiegellosen Kameras vergleicht, ist das irre. Während ich derzeit auf den Hochzeiten einen Kleinwagen mit mir herum schleppe, liegt der komplette Ersatz in Form einer alternativen Systemkamera-Ausrüstung bei etwa einem Drittel. Ich bin Profi und fotografiere, um Geld damit zu verdienen. Damit wiegt das Argument der Investition verdammt schwer.

Wie gesagt, gestern war ich bereits auf der Photokina und in einigen Minuten werde ich erneut aufbrechen um mich nochmals dort umzuschauen. Ich denke, mein Entschluss ist bereits gefasst, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann ich Nikon und meiner geliebten Ausrüstung untreu werde, um den Umstieg zu vollziehen. Vermutlich werde ich noch die letzten Hochzeiten in diesem Jahr mit Nikon absolvieren, nach dem Oktober ist das aber auch erledigt.

NACHTRAG

Die Kleine Fuji-Familie - XT2, XT20

Wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann, ist der Wechsel mittlerweile auf technischer Ebene vollzogen, das Equipment steht mir seit Oktober 2016 zur Verfügung.

Zusätzlich habe ich mir die kleinere, aber funktionale beinahe identische Variante der X-T2, die X-T20  Anfang 2017 als Ersatzkamera zugelegt.

Inzwischen konnte ich die X-T2 und auch ihre kleine Schwester ausgiebig testen und im professionellen Umfeld ein Portraitshoot in Duisburg, Verlobungsfotos in den Niederlanden und Bandfotos in Kevelaer am Niederrhein mit dem neuen Equipment machen. Bislang bin ich absolut überzeugt von den Geräten.

NOCH EIN NACHTRAG

Jetzt geht es auf das Ende 2017 zu.

Viele Stunden Hochzeitsreportage haben mich die Fujis begleitet. Die Bodies und die Objektive haben mich sowohl in Punkto Handling, als auch in der Bildqualität absolut überzeugt.
Mein Bildstil hat sich tatsächlich weiter entwickelt, was ich nicht zuletzt auf die Arbeitsweise zurückführe, die ich mir im Umgang mit den Kameras angewöhnt habe. Und – nicht zu verachten – wenn ich jetzt nachts am Ende einer meiner Traumhochzeiten ins Auto steige, habe ich keine Schmerzen mehr im Rücken, in den Armen und oder allgemein den Knochen.

Ich bin sowas von froh, dass ich den Mut hatte, diesen Wechsel von Nikon zu Fuji radikal durchzuziehen!

Hier ein Beispiel für eine der ersten Hochzeiten, die mit den Fujis geschossen wurde.

2018-01-09T20:46:24+02:00